Wissenswert:

01.07.2018
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01.07.2018
» Info 07/2018

Förderkennzeichen:
A 322 16
Netzentgeltdynamik unter Einfluss von Selbstversorgern

Laufzeit

01.01.2017 - 31.07.2018

Die zunehmende Selbstversorgung durch Photovoltaik-Anlagen und Speicher stellt die bestehende Netzentgeltsystematik in Frage. Kernbestandteile der Diskussion sind die "Entsolidarisierung" der Selbstversorger aus der Gemeinschaft der Netznutzer (Verteilungseffekte) und der Teufelskreis aus zunehmender Selbstversorger und steigenden (spezifischen) Kosten (Anreizverzerrung). Die Bundesregierung hat um Zuge des Strommarkt 2.0 eine Anpassung der Netzentgeltsystematik angekündigt. die Bundesnetzagentur hat sich parallel gegen grundlegende Systemänderungen ausgesprochen. Es stellt sich die Frage, welche möglichst geringfügige Anpassung der Netzentgeltsystematik effizientere Anrieze für Eigenversorgung und Speichereinsatz sowie eine faire Kostenverteilung herstellen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat hierzu kürzlich einen Beratungsauftrag ausgeschrieben, die die Unteressen des Ministeriums in der Diskussion mit den Stakeholdern untermauern soll. im Gegensatzdazu zielt das hier vorgeschlagene Forschungsprojekt bei der Stiftung Energieforschung Baden-Württemberg auf eine objektive wissenschaftliche Analsyse der Thematik ab.

Dem Projekt liegt ein modellbasierter Ansatz zugrunde, indem verschiedenen Anpassungen für synthetische Netze mit einem Modell simuliert und hinsichtlich ihrer Anreiz- und Verteilungswirkung quantitativ und qualitativ analysiert und verglichen werden. Die folgenden, vielversprechenden Anpassungen der Netzentgeltsystematik werden untersucht

- Detailanpassungen der Gleichzeitigkeitsfunktion

° etwa eine Erhöhung des von der Regulierung festgelegten Achsenabschnitts zur Stärkung des Leistungspreisesoder

° eine Unterteilung der Funktion in mehr als zwei Abschnitte zur Berücksichtigung der wachsenden Nutzervielfalt

- die stärkere Berücksichtigung des tatsächlichen Netznutzungsverhalten bei individuellen Netzentgelten

- die Wälzung der Kosten zwischen den Netzbebenen nicht mehr nur top-down sondern entsprechend der Rückflüsse aus den Verteilnetzen auch bi-direktional.

Das Forschungsvorhaben liefert eine unabhänige, objektive Bewertung vielversprechender Gestaltungsoptionen für die Netzentgelte in deutschen Stromverteilungsnetzen. dies stellt einen wertvollen Beitrag für die politische Debatte zum Strommarkt 2.0 dar.